yrsa sigurdardottir Das letzte Ritual

Als Gunnar, der Geschichtsprofessor und Leiter der historischen Fakultät  am frühen Morgen die Universität von Reykjavik betritt, herrscht dort noch emsiges Treiben der Putzdamen unter der strengen Aufsicht des Hausmeister Tryggvi.

Als wenige Minuten später ein Stöhnen, dann ein Schrei und auch ein lauter  Knall aus der oberen Etage zu hören ist, rennen sie alle, Tryggvi voran, in Richtung der Büros der historischen Fakultät. Als sie dort die Feuerschutztür öffnen bietet sich ihnen ein schreckliches Bild. Das Bücherregal ist  umgekippt und auf dem Bücherberg auf allen Vieren befindet sich Gunnar, der Leiter der Fakultät. Das Gesicht des Professors ist aschfahl und aus seinem Mund kommen nur gestammelte Laute. Dann greift er sich an sein Herz und kippt zur Seite. Tryggvis Blick wandert weiter zu einer Druckerkammer und dann sieht er, was den Professor so erschreckt hat. Aus der halb offenen Tür der Kammer ragt eine Leiche – denn Leben schien in diesem Wesen nicht mehr zu sein – . Vor den Augen des Toten hängen Stofffetzen, auch mit der Zunge ist etwas nicht in Ordnung. Sein Blick wandert weiter und er erkennt auf der Brust merkwürdige Einkerbungen. Tryggvi tritt ruckartig zurück und stößt dabei gegen die Frauen der Putzkolonne, die sich hinter ihm aufgereiht haben und völlig erstarrt durch den bizarren Anblick sind. Beim Blick zurück auf die Leiche wird ihm klar, das sind gar keine Stofffetzen vor den Augen……

Die isländische Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir bekommt eines Tages einen Anruf aus Deutschland. Die Frauenstimme am anderen Ende der Leitung stellt sich als Amelia Guntlieb vor. Dora kramt in ihren Deutschkenntnissen, die sie noch von ihrem Jurastudium in Berlin hat und fragt: Was kann ich für Sie tun? Amelia Guntlieb fällt es sichtlich schwer, aber dann sagt sie: Mein Mann und ich hier in Deutschland brauchen ihre Hilfe in Island. Unser Sohn Harald ist dort ermordet worden und Sie sollen den Fall noch einmal aufrollen, da die Polizei sich weigert mit uns zu reden. Geld spielt bei diesem Fall keine Rolle, wir bezahlen Sie gut.

Dora übernimmt diesen brisanten Fall und bekommt Unterstützung von Mathias Reich, einem ehemaligen deutschen Polizisten, der für die Familie Guntlieb arbeitet.  Sie finden heraus, dass es sich bei dem Ermordeten um den Geschichtsstudenten Harald handelt, der völlig entstellt in der Druckerkammer der Universität gefunden wurde.

Haralds geschichtliches Interesse galt dem mittelalterlichen Hexenkult und dessen Rituale. Er galt als Sonderling und bewegte sich in zwielichtigen Kreisen und Drogenkonsum gehörte auch zu seinem Leben.  Die isländische Polizei geht von einem Mord im Drogenmilieu aus und hat Haralds Dealer verhaftet und hält ihn auch für seinen Mörder.

Bei der Besichtigung der Wohnung des Opfers werden Dora und Mathias mit Bildern und Zeichnungen konfrontiert, die ihre Ermittlung in eine ganz andere Richtung lenken, die von der Polizei bisher nicht verfolgt wurde. Der Ermordete liebte Körperschmuck und bizarre Rituale. Doch um den wahren Mörder zu finden, werden sie sich mit dem Hexenkult in Island und anderen nicht weniger merkwürdigen Dingen in der Familie Guntlieb beschäftigen müssen.

Ich habe zuvor ein anderes Buch von der Autorin gelesen und war da schon von ihrem Schreibstil und den etwas anderen Themen, die sonst nicht üblicherweise in Krimis vorkommen, begeistert. Eigentlich interessiere ich mich nicht für so dunkle Themen wie Hexenkult o.ä., aber Yrsa Sigurdardottir hat es geschafft einen Krimi zu schreiben, dem es an nichts fehlt. Ich habe das Buch  eigentlich kaum aus der Hand gelegt, da ich wirklich unbedingt wissen wollte wie alles zusammenhängt und warum dieser Mord geschehen ist. Das Thema Hexenkult wird gut in das Geschehen eingearbeitet und  teilweise habe ich auch eine Gänsehaut bekommen, da ich mich vorher mit solchen Sachen nicht beschäftigt habe. Nicht dass ich so viel von diesen Riten und Ritualen wissen wollte, aber die Autorin hat alles sehr geschickt verpackt und ich kann das Buch „Das letzte Ritual:“ wirklich nur empfehlen.

Leseprobe Yrsa Sigurdardottir Das letzte Ritual

Arnaldur Indridason: Engelsstimme

7 April 2011 · Allgemein · 3 Kommentare

Engelsstimme

Dies war das erste Buch, was ich je von Arnaldur Indridason gelesen habe. Ich hatte davor noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen. Ich habe mich beim Kauf des Buches ehrlich gesagt von dem Titel und dem Cover leiten lassen. Da ich Island wahrscheinlich nie persönlich besuchen werde, mich das Land aber sehr interessiert, lese ich gern und viel darüber.

Die Art des Schreibens und auch die Themen, die in den anderen Krimis dieses Schriftstellers aufgegriffen werden, sind auch ein bisschen Sozialkritik und ein Fingerzeig, dass man so nicht mit Menschen umgehen soll. Nach diesem Buch habe ich übrigens alle anderen bisher in Deutschland erschienen Bücher aus der Feder von Arnaldur Indridason  im wahrsten Sinne verschlungen und bin bis jetzt nicht enttäuscht worden.  Seinen etwas kauzigen und grummeligen Polizisten Erlendur mochte ich irgendwie von Anfang an.

Aber jetzt ein bisschen zum Inhalt dieses Buches: Erlendur und sein Team müssen zur Weihnachtszeit in einem Hotel den Mord an dessen Portier aufklären.

Der jetzige Besitzer des Hotels hatte dem Portier, der bereits dort seit vielen Jahren arbeitete, als der das Hotel übernahm, ein winziges karges Zimmer in den Katakomben des Hotels zur Verfügung gestellt.  Das einzige was diesen tristen Raum zierte, war ein altes vergilbtes Filmplakat mit dem Kinderstar Shirley Temple darauf.

Der Tatort an sich war schon ein bisschen besonders, aber nichts gegen das Bild, was sich der jetzt völlig verstörten Kantinenangestellten bot, als sie das Opfer fand.

In dem kleinen Zimmer auf dem Bett saß der Weihnachtsmann an die Wand gelehnt, seine Mütze war ihm ins Gesicht gerutscht, genauso wie sein weißer Rauschebart. Die rote Jacke war über dem nackten Bauch auseinander geschlagen. In der Herzgegend befand sich eine Stichverletzung und auch sonst befanden sich am Oberkörper noch diverse Verletzungen. Auch unten herum war er völlig unbekleidet und zwischen seinen Beinen baumelte noch ein benutztes Kondom….

Um diesen pikanten Fall zu untersuchen und auch um seiner Weihnachtsdepression zu entfliehen, quartiert sich Erlendur in das letzte freie Zimmer im Hotel ein. Er kramt tief in der Vergangenheit des Toten und findet heraus, dass dieser in seiner Kindheit wohl eine Berühmtheit gewesen ist.  Er trifft auf einen alten Fan aus dieser Zeit und wird gewahr, dass der tote Portier in seiner Kindheit ein Knabe mit einer begnadeten Stimme gewesen ist, mit einer „Engelsstimme:

Weitere empfehlenswerte Bücher vom gleichen Autor:

Frostnacht

Die 7. Stunde

Schauplatz der Geschichte ist eine elitäre Privatschule in Berlin.

Da seine Rechtsanwaltskanzlei kurz vor der Insolvenz steht, kommt der Auftrag einer Schulfreundin dem RA Joachim Vernau gerade recht. Ohne groß zu überlegen nimmt er den Job an. Er soll in einer Privatschule in Pankow eine Jura-AG leiten. Aus schulischer Sicht soll das Rechtsempfinden der jungen Leute gestärkt werden. Im Unterricht gibt er den Schülern die Aufgabe, dass sie „Rechtsverstöße“ aus dem Schulalltag bzw. an Mitschülern zur Sprache bringen und dann in einer Art Gerichtsverhandlung darstellen und auch verhandeln und sich eine Strafe dafür überlegen.

Doch bereits in den ersten Schulstunden kommt ihm der Gedanke, dass an der Schule irgendetwas verheimlicht werden soll und auch nach mehrfacher Nachfrage bei seinen Schülern trifft er auf eine Mauer des Schweigens.

So wird er selbst zum Detektiv und er recherchiert , dass es an der Schule einen merkwürdigen Todesfall einer Schülerin gegeben hat. Auch die Schulleitung mauert und gibt nur fadenscheinige Auskünfte. Auf einem Schulfest kommt es dann wieder zu einem tragischen Zwischenfall.

Dies stachelt die Neugier des RA noch weiter an und er legt sich auf die Lauer und landet prompt mitten in einem Fantasy-Rollenspiel der ganz besonderen Art. Die gesamte Schule scheint darin verwickelt zu sein und jede Frage seinerseits danach wird nur mit stummen Blicken oder mit ausweichenden Antworten erwidert.  Durch die Mithilfe eines Praktikanten aus seiner Kanzlei stößt er nachts in einem Berliner Park auf die „Vampire“.

Ich habe dieses Buch von meinem Vater geschenkt bekommen und hatte bis dahin von der Schriftstellerin nichts gehört. Vorsichtig habe ich mich dann ans Lesen gemacht und war schon nach einigen Seiten in den Bann der Geschichte gezogen.  Ich las über ein mir bisher unbekanntes Terrain. So scheint es Menschen zu geben, die sich um aus dem Alltagstrott zu entfliehen, verkleiden und im Schutze der Dunkelheit dann zu völlig anderen Wesen werden und in eine Fantasy-Welt abgleiten.

Die Realität verschwimmt und die Fantasy-Welt wird für sie real.

Wenn das Buch “Die 7. Stunde” auch keine Neuerscheinung ist und schon etwas auf dem Markt ist, möchte ich es aber Krimiliebhabern ans Herz legen. Ich war und bin begeistert von diesem Buch. Ich hoffe, der RA braucht weiter Geld und muss als etwas anderer Ermittler in Berlin wieder tätig werden.

Franz_-_Eisige_Naehe

Das sonst eher beschauliche Kiel wird von einer Mordserie der abgeklärtesten Art heimgesucht. Alles beginnt mit dem Mord an dem berühmt berüchtigten Musikproduzenten Peter Bruhns und dessen 20-jähriger Geliebter in dessen Zweitwohnung vor den Toren der Stadt. Der Tote und seine Gespielin wurden dabei in eindeutiger bizarrer Pose – kurz vor der Ausübung des Geschlechtsakts – mit mehreren Kopfschüssen geradezu hingerichtet. Für die Kommissare Lisa Santos und Sören Henning beginnt ein Verwirrspiel erster Klasse, als sie von einem anonymen Anrufer kurz nach der Vollendung der Tat auf diese hingewiesen werden und daraufhin noch vor allen anderen am Tatort eintreffen. Hatten sie es am Telefon mit dem Mörder persönlich zu tun? Warum hat er ausgerechnet sie beide nach dem Mord angerufen?

Wenig später geschehen in Bruhns Umfeld weitere Morde, bei denen die Kommissare zunächst keinen wirklichen Zusammenhang zur ersten Tat herstellen können. Erst, als die Witwe und Angestellte des Verstorbenen Verdachtsmomente äußern, dass Bruhns in die Geschäfte eines Menschenhändlerringes verwickelt gewesen sein könnte, bei dessen Machenschaften sowohl junge Frauen, als auch kleine Kinder an reiche Industrielle und Wirtschaftsbosse verkauft würden kommen die Polizisten sowohl dem Mordmotiv, als auch dem Täter weiter auf die Spur. Dieser entpuppt sich schon bald als ein altbekanntes Phantom, das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit zehn Jahren immer wieder Menschenleben in den höchsten Gesellschaftskreisen auslöscht. Ein Auftragstäter oder doch ein Wahnsinniger, der sich unerkannt unter falschem Namen in ebendiesen Kreisen bewegt?

Die Polizisten tappen noch lange im Dunkeln, bis sie schließlich nach und nach herausfinden, dass sogar Entscheider aus ihren eigenen Reihen auf höchst perfide Weise mit in den Fall verwickelt sind. Wen decken die Kollegen und die Staatsanwaltschaft und warum kann der Täter immer wieder unerkannt vom Tatort entkommen? Hat eventuell sogar der Bundesnachrichtendienst seine Hand mit im Spiel? Eine von vielen ungeklärten Fragen, die Santos und Henning schließlich selbst in Lebensgefahr bringen…

Andreas Franz spaltete mit „Eisige Nähe“ bei Erscheinen es Romans im Sommer 2009 die Nation, denn der Inhalt besteht nicht nur aus einer spannenden, mit vielen überraschenden Wendungen versehenen Kriminalgeschichte, sondern auch aus einer klar formulierten Kritik am deutschen Polizei- und Geheimdienstapparat. Überdies hat Franz ein höchst merkwürdiges, tatsächlich für mehrere Wochen die Nachrichten beschäftigendes Ereignis auf seine ganz eigene Weise mit in seiner Geschichte verarbeitet: Den Fall des „Phantoms von Heilbronn“, in dem es um wiederkehrend verunreinigte Wattestäbchen bei DNA-Analysen von Polizei-Forensikern ging. Der Autor hat in seiner Geschichte seine ganz eigene Version des Phantom-Phänomens erarbeitet, die anhand der fiktiven Zusammenhänge ebenfalls als durchaus denkbare Erklärung erscheint.

Wäre im wirklichen Fall der verunreinigten Wattestäbchen ein derartiger Grund ans Licht gekommen, dann hätte so manch ein staatstragender Würdenträger seinen Hut nehmen müssen. So jedoch ist man als Hörer der bei Lübbe Audio erschienen und von Stephan Benson mit viel Gefühl fürs Detail eingelesenen Hörbuch Version lediglich für einen Moment verunsichert, dann jedoch geradezu mitgerissen von den weiteren Wendungen der wirklich spannenden Geschichte. „Eisige Nähe“ ist nach „Unsichtbare Spuren“ und „Spiel der Teufel“ der dritte Fall für das Ermittlerteam Santos/ Henning und zugleich ihr Spektakulärster. Es bleibt abzuwarten, ob sich Franz für den nächsten Fall der Kieler erneut in der deutschen Zeitgeschichte bedienen wird.

Hörprobe Eisige Nähe

Detektei Sonderberg & Co

28 März 2011 · Allgemein · 0 Kommentare

Cover_Sonderberg_Folge_1

Düsseldorf im Jahre 1885: Der ehemalige Polizeikommissar und nun mit einer Detektei niedergelassene Privatermittler Dr. Friedrich Sonderberg entdeckt im Hofgarten der mit ihm befreundeten Besitzer des Schlosses Jägerhof während der Suche nach Schmetterlingen für seine Sammlung die Leiche einer jungen Frau. Alles deutet zunächst auf einen Unfall hin, doch irgendetwas an der Sache kommt Sonderberg komisch vor. Einige Tage darauf bekommt er in seinem Büro Besuch von einer verzweifelten jungen Frau, die auf der Suche nach Ihrer Schwester ist. Es stellt sich heraus, dass beide als Dienstmädchen für die Schlossbesitzer tätig waren. Sonderberg und seine resolute, aber auch kluge Nachbarin, das Dienstmädchen Minnie Cogner, vermuten sofort, dass es sich bei der Leiche um die gesuchte junge Frau handelt. Doch wer hatte ein Motiv, das Mädchen zu töten? Warum hält sich die Polizei mit Ermittlungen zurück und was führt der Sohn des Schlossbesitzers im Schilde, der in Kürze seine französischstämmige Freundin heiraten will. Fragen über Fragen, die es für Friedrich Sonderberg und Minnie Cogner im ersten der drei Hörspielfälle zu lösen gilt.

Dennis Ehrhardt hat mit der ungleichen Ermittlerduo Sonderberg und Cogner zwei liebenswerte, intelligente Spürnasen ins Leben gerufen, bei deren lebhaften Diskussionen und außergewöhnlichen Ermittlungsmethoden auch die Komik ihren Platz im Hörspiel findet. Mit Jan-Gregor Kremp (“Polizeiruf 110″) und Regina Lemnitz (u.a. deutsche Synchronstimme von Whoopi Goldberg) haben sich zudem zwei wunderbare Sprecher für beide Rollen gefunden, die einerseits den Sinn für präzise Ermittlungen, andererseits auch die Witz in beiden Rollen wunderbar zur Geltung bringen. Sonderbergs stets in jedes Fettnäpfchen tappender Neffe Gregor wird zudem von Drei Fragezeichen-Sprecher Andreas Fröhlich verkörpert, der zusätzlichen Charme ins Geschehen einbringt. Die pünktlich zur Leipziger Buchmesse erschienenen ersten drei Folgen von “Sonderberg & Co” machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Bleibt zu hoffen, dass die Serie neben anderen erfolgreichen Produktionen ein weiterer dauerhafter Erfolg für den Hörspielverlag Zaubermond Audio wird.

Hörprobe Sonderberg & Co Folge 1

Patricia Highsmith - Kleine Mordgeschichten fuer Tierfreunde

Tierfreunde aufgepasst! Habt Ihr Euch schon einmal in die Lage eines Elefanten versetzt, der irgendwann von Tierfängern eingefangen, von seiner Mutter getrennt und anschließend an einen Ort in einem anderen Land mit Betonboden und Gittern an den Fenstern gebracht wurde? Der anschließend über Jahre jeden Tag vor Zuschauern das „Tanzmädchen“ geben muss, um schließlich ein paar Leckereien zugeworfen zu bekommen? Der trotz allem seinen Pfleger, der stets gut zu ihm ist, liebt und sich erst zur Wehr setzt, als nach dessen Pensionierung der neue Pfleger ihn behandelt wie ein Stück Dreck? Der schließlich aus lauter Wut seinen neuen Pfleger umbringt und zur Strafe danach selbst erschossen wird?

Wenn Ihr das alles noch nicht nachempfunden habt, dann solltet Ihr unbedingt in das Hörbuch „Kleine Mordgeschichten für Tierfreunde“ von Patricia Highsmith, der Grande Dame des Kriminalromans, hinein hören. Sowohl das traurige Schicksal des Elefanten, als auch das einer von Kindern zum Krüppel geschlagenen Ratte in Venedig sowie der Kampf eines Katers gegen den Liebhaber seines Frauchens sind eindringliche und zu Teil regelrecht brutal daher kommende Geschichten aus der Sammlung. Die vierte Geschichte aus dem zwei CDs umfassenden Hörbuch des Diogenes Verlages handelt von einem grausamen Hühnerbesitzer, der schließlich durch seine eigenen Tiere den Tod erleidet. Kriminalerzählungen der anderen Art, die einerseits nah an der tatsächlich vorherrschenden Realität sind und andererseits auf geradezu phantastische Weise zeigen, dass auch Tiere sich zum Morden nicht zu schade sein können, wenn es um ihr eigenes Leben geht.

Die vier Geschichten von insgesamt 145 Minuten Spieldauer wurden von einer Dame eingelesen, die ebenfalls in Bezug auf ihren besonderen Gerechtigkeitsinn deutschlandweit nicht nur unter emanzipierten Frauen ein Begriff ist: Alice Schwarzer. Mit ihrer angenehmen, zum Teil allerdings auch sehr sarkastisch daher kommenden Stimme schafft sie es mühelos, den Hörer auf die Seite des jeweiligen Tieres zu ziehen und die Menschen in den vier Stories in jeglicher Hinsicht alt aussehen zu lassen. Eine wunderbare Geschichtensammlung, die bei keinem Tier- und Krimifan in der Sammlung fehlen sollte.

Leseprobe Kleine Mordgeschichten für Tierfreunde

Für Highsmith Fans auch zu empfehlen: “Als die Flotte im Hafen lag”

Hakan Nesser Eine ganz andere Geschichte

Beim Verlassen des Hauses wäre Gunnar Barbarotti beinahe mit dem Briefträger zusammengestoßen, der gerade dabei war die Post zuzustellen. Er drücke ihm dann auch gleich drei Briefe in die Hand und wünschte ihm einen schönen Urlaub. Ja! Urlaub! Der Inspektor, schon ganz in Gedanken auf Gotland, wo ihn seine neue Liebe, Marianne, die er vor einem Jahr kennengelernt hatte, erwartete, steckte die Briefe ein und erst einige Tage später erinnerte er sich wieder an die Post.

Als er den dritten Brief öffnen wollte, zögerte er etwas bevor er ihn öffnete. Der Brief war eindeutig an ihn gerichtet, aber es befand sich kein Absender nur eine Briefmarke mit Segelboot darauf. Er entnahm dem Umschlag einen zweimal gefalteten Bogen und las:
PLANE ERIK BERGMANN UMZUBRINGEN. MAL SEHEN OB DU MICH AUFHALTEN KANNST

Damit war der schöne Urlaub passé und es sollte nicht der letzte Brief dieser Art sein den Gunnar Barbarotti im Laufe der Zeit bekam.

Parallel zu den Nachforschungen der Polizei wird im Buch eine Urlaubsgeschichte erzählt. Mehrere schwedische Touristen treffen in der Bretagne aufeinander und verleben einen auch zwischenmenschlich abwechslungsreichen Urlaub. Sie treffen am Strand auf ein junges Mädchen, dass ihnen anbietet sie zu malen. Sie freunden sich mit ihr an und an einem schönen Tag chartern sie ein Boot und stranden an irgendwo an der Küste, da es Probleme mit dem Motor gibt. Einige von Ihnen bleiben am Strand und die anderen versuchen das Boot wieder flott zu kriegen. Das Wetter schlägt um und als sie das Boot wieder repariert haben zieht ein Sturm auf und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Fünf Jahre später müssen alle Beteiligten der Bootstour sich wieder mit dem Geschehenen auseinandersetzen, denn jemand kennt ihr Geheimnis und fängt an einen nach dem anderen zu ermorden. Diese Morde werden in den Briefen an Gunnar Barbarotti angekündigt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Kann der Inspektor den Mörder noch rechtzeitig stoppen…..?

Dieser Krimi ist wirklich „Eine ganz andere Geschichte“. Was einem so alles im Urlaub passieren kann, dass kann Hakan Nesser wirklich mit Bravour beschreiben. Also ich persönlich möchte allerdings so etwas nie erleben. Man kann sich fast vorstellen, dass hier eine Geschichte mit realem Hintergrund erzählt wird und nur für uns Leser etwas abgewandelt wurde. Ein Buch was man nicht so schnell aus der Hand legt.
Auch die Lebensgeschichte von Gunnar Barbarotti wird weitererzählt, aber die Zwiegespräche mit Gott hören trotz positiver Entwicklung in seinem Liebesleben nicht auf.

Wer das erste Buch aus dieser Reihe, nämlich „Mensch ohne Hund“ noch nicht gelesen hat, sollte dies schnell nachholen, denn es ist ein weiterer Fall für den Inspektor aus Kymlinge.

Leseprobe Hakan Nesser Eine ganz andere Geschichte

Sehr empfehlenswert auch:
Mensch ohne Hund
Die Perspektive des Gärtners

Hakan Nesser Der Mensch ohne Hund

Also auf geht’s mit dem neuen Hauptdarsteller bzw. Inspektor Gunnar Barbarotti. Der Name klingt eher als wenn man sich ein Buch über italienische Opern gekauft hat. Aber dem ist nicht so.
Gunnar Barbarotti ist ein Inspektor der etwas anderen Art. Nachdem er von seiner Ehefrau verlassen wurde und er seine drei Kinder nur noch selten zu Gesicht bekommt, fällt er in ein tiefes seelisches Loch. Er beginnt ein Zwiegespräch mit Gott um irgendwie mit seinem neuen Leben zurecht zukommen. Er hat ein Punktesystem entwickelt, das wohl nur er versteht. Wenn Gott ihm seine Wünsche erfüllt gibt es Pluspunkte, wenn er aber seine Erwartungen nicht erfüllt werden Gott wieder Punkte abgezogen. Dies ist wohl auch eine Art von Psychotherapie, die er für sich durchführt um im Leben weiter bestehen zu können.
Aus diesen Zwiegesprächen wird der Inspektor geholt, als er und seine Kollegin Eva Backmann auf einen Vermisstenfall angesetzt werden.
Der pensionierte Lehrer Kark-Erik Hermannson hat seine Familie fest im Griff und deshalb erscheinen auch alle vollzählig, aber alle mit gemischten Gefühlen und teils sehr unwillig, zur angesetzten Geburtstagsfeier. Denn es soll für das Ehepaar auch ein kleiner Abschied von ihrem Haus in Schweden sein, denn sie planen ihren Lebensabend in Spanien zu verbringen.
Nach der feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier verschwindet zuerst der älteste Sohn, dem ein fragwürdiger Ruf anhaftet. In den Medien ist er als Wichs-Walter bekannt und hat schon deshalb seinen Eltern und Geschwistern eine schwere Zeit bereitet. Wenig später ist auch der älteste Enkel wie vom Erdboden verschwunden und eine großangelegte Suchaktion beginnt. Nach langer Zeit kommt dann heraus, das der Enkel kurz vor seinem Verschwinden eine SMS erhalten hat, von der man vermutete, dass diese von seiner zu Hause gebliebenen Freundin gewesen sei. Die erweist sich als völlig falsch, denn was niemand in der Familie ahnte, der Enkel in den die Familie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatte, war dem männlichen Geschlecht zugeneigt. Diese Erkenntnis setzt die ganze Geschichte in ein anderes Licht und am Ende wendet sich das Blatt, allerdings nicht zum Guten.

Der Titel „Mensch ohne Hund“ hat mich etwas verwirrt. Um Hunde geht es in diesem Buch nun wirklich nicht. Aber Barbarotti, zu Anfang mit seinen Zwiegesprächen zu Gott, noch etwas gewöhnungsbedürftig, hat eine gute Art an die Polizeiarbeit heranzugehen.
Die Geschichte an sich hat viel mit Sex und Crime zu tun und mit einer sehr undurchsichtigen Familie, die in diesem Buch im Mittelpunkt steht. Sehr ausführlich wird dann die ganze Familie durchleuchtet und es kommt so einiges Unschönes zu Tage.

Hakan Nesser ist es mal wieder gelungen eine sehr interessante Geschichte aufzuschreiben. Zwar musste ich mich an den neuen Inspektor erst gewöhnen, aber nach und nach konnte ich mich mit ihm anfreunden. Man hat viele Tage spannendes Lesevergnügen. Es wird wohl nicht das erste und letzte Fall für Gunnar Barbarotti gewesen sein.

Dieser erste Fall hat es bereits zu einer Verfilmung im Fernsehen geschafft und ich finde die Schauspieler sind gut gewählt und Barbarotti hat jetzt auch ein Gesicht bekommen.

Leseprobe Hakan Nesser Der Mensch ohne Hund

Hakan Nesser Die Wahrheit über Kim Novak..

Endlich ist es soweit und Hakan Nesser hat nach vielen Jahren des beharrlichen Schweigens – auch seiner eigenen Familie gegenüber, wie er im Buch berichtet – die Fortsetzung bzw. „Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson“ aufgeschrieben.

Was ich und wahrscheinlich viele Leser schon beim Erscheinen des Buches „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ vermuteten, wird nun bestätigt, es war und ist ein Tatsachenbericht. In diesem Buch hat der Autor einen realen Mordfall aus dem Jahre 1962 nacherzählt.

Hakan Nesser berichtet über die Interviews mit dem tatsächlichen Mörder und über seine eigenen Nachforschungen mit Hilfe auch von Briefen durch Angehörige der vier Hauptverdächtigen, die sich an ihn gewandt haben, als bekannt wird, dass er nun sein Schweigen brechen will und ein neues Buch darüber schreiben will, wer denn nun der Mörder von Berra Albertsson ist.

Ich kann ja nur für mich sprechen, aber ich habe auf den richtigen Täter getippt gehabt. Doch wie schon bei vielen seiner Bücher, schafft es Hakan Nesser auch am Schluss wieder, dass man Zweifel anmeldet und man doch wieder ein kleines „?“ vor Augen hat.

Für jeden der nicht weiter in Nebelschwaden bezüglich Kim Novak und Berra Albertsson waten will, ist dieses „Auflösungsbuch“ ein Muss.

Weitere Buchempfehlungen zu Hakan Nesser:

Die Perspektive des Gärtners
Kim Novak badete nie im See von Genezareth

hakan nesser Kim Novak badete nie im See Genezareth

Erst einmal vorweg zur Information: Mit Kim Novak an sich hat dieses Buch nichts zu tun. Es geht vielmehr um eine junge bezaubernde Frau, die der besagten Kim Novak sehr ähnlich sieht. Ihr Name ist Ewa.

Zurzeit hat es Erik nicht leicht, seine Mutter liegt mit einer Krebserkrankung im Krankenhaus und sein Vater hat durch die täglichen Besuche bei seiner Ehefrau auch wenig Zeit für ihn. Eriks Vater möchte seinen jüngsten Sohn auf andere Gedanken bringen und deshalb arrangiert er es, dass Erik mit seinem ebenfalls 14 Jahre alten Freund Edmund die schulfreie Zeit während des Sommers in einem Ferienhaus an einem idyllisch gelegenen See verbringen darf. Eriks großer Bruder Henry übernimmt die Aufsicht und so beginnen die sonnigen Ferien.  Die beiden Jungen sind sich eigentlich selbst überlassen, denn Henry beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit der bezaubernden Ewa, die auch den beiden pubertierenden Jungs den Kopf verdreht. Die traumhaften Ferien enden abrupt als ein Mord geschieht. Das Opfer ist der berühmte Handballer Berra Alberttson, der sich dann als Verlobter von Ewa herausstellt. Die Ferienidylle zerbröckelt sehr schnell, denn auf der Liste der Verdächtigen stehen Erik, Edmund, Henry und Ewa…..

Als ich den Buchtitel „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ las, dachte ich erst es ist aus Versehen in die Krimiabteilung gerutscht und es handelt sich um eine Art Biographie über die früher bekannte Schauspielerin Kim Novak. Aber dem war nicht so. Aus einer zuerst nach Urlaubsidyll anmutenden Erzählung, entwickelt sich langsam eine sehr spannende Kriminalgeschichte, die mich bis zum Ende gefesselt hat. Nur leider lässt Hakan Nesser seine Leser irgendwie ein bisschen im Trüben fischen, was den Ausgang der Geschichte und den Mörder an sich betrifft. Es ist irgendwie ein open end….

Doch nichts desto trotz, dieses Buch muss man einfach lesen. Es beginnt seicht, aber dann wenn es um den Mord geht, kann man es nicht beiseitelegen. Außerdem hat diese tolle Geschichte es auch schon geschafft, wirklich gut verfilmt ins Fernsehen zu kommen.

Leseprobe Hakan Nesser Kim Novak badete nie im See Genezareth

Jeder der wissen will, wer nun wirklich der Mörder ist, der sollte unbedingt „Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson“ lesen.

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